Rubbel die Kats #3 – Von tiefen Löchern und hohen Punkten


Als schönste Nebensache der Welt, verursacht Sex eine ganze Bandbreite von Gefühlen: Glück, Verliebtheit, Erleichterung, Befriedigung, Erschöpfung aber auch Trauer, Verzweiflung, Anstrengung und zu guter Letzt: Depression. Depression, bzw. Sexverdrossenheit kann schnell entstehen, weil das Gleichgewicht zwischen körperlichen Bedürfnissen und realer Befriedigung sehr schnell zum kippen gebracht werden kann. Der klassische Fall ist hier wohl das Nicht-So-Viel-Sex-Haben-Wie-Man-Möchte. Das hat vermutlich jeder schon erlebt und man kann dabei die typischen Phasen, die man beispielsweise auch in der Trauerverarbeitung wiederfindet, erkennen: Verdrängung, Ausbrechen von Emotionen, Konfrontation und Akzeptanz bzw. Abfindung (frei interpretiert nach dem Trauerprozess in vier Phasen nach Kast). Wenn man von den Klischees ausgeht, sind wohl Männer am ehesten von der Sexverdrossenheit betroffen. Wobei ich diese schon des öfteren selber erlebt habe und ich eigentlich auch der Meinung bin, dass es sich so verhält, wie Frauen immer angeblich das schwache Geschlecht seien: Frauen haben mindestens (dickes Ausrufezeichen) gleich viel Spaß an Sex und legen besonderen Wert darauf ihr Sexleben zu pflegen. Eben durch die Vorurteile, die sich eingebürgert haben, leiden meiner Meinung nach aber Frauen eher an einer Sexverdrossenheit, als Männer. Der Mann glaubt, dass Frau grundsätzlich nicht die gleiche oder eben weniger Lust am Sex hat, als er selber. Für ihn ist es also normal, dass er zurückstecken muss. Immerhin ist das ja bei allen Frauen so. Die Frau hingegen, die aber eigentlich mehr Sex will, als der Mann glaubt, geht davon aus, dass der Mann, allein, weil er Mann ist, eben immer will und sofort auf sexuelle Avancen eingeht. Wenn eben diese Lust nicht in gleichem Maße wie die der Frau geteilt wird, sehen wir das tendenziell erst mal als Beleidigung. So nach dem Motto: „Männer wollen doch immer, wieso will er mich denn jetzt nicht (mehr)?“. So, würde ich behaupten, tritt bei der Frau viel schneller eine Verdrossenheit ein. Zumindest in diesem Fall. Denn eigentlich möchte ich mich mit diesem Post eher den Herren der Schöpfung widmen:

Abgesehen von dem oben genannten Szenario, denke ich, dass tatsächlich eher Männer von der Sexverdrossenheit eingenommen werden. Denn Sex bedeutet für die meisten Männer erst mal eins: Ego. Männer definieren sich häufig darüber, wie gut sie im Bett sind. Es rückt immer wieder als Thema in den Vordergrund. Selbst die ruhigsten Kerle geben früher oder später beispielsweise damit an, wie gut sie doch bestückt seien. Ich mit meinen 1,55 habe schon des öfteren, bei direkter Nachfrage nach der Größe (stumpf ist Trumpf), zu hören bekommen „Na, für dich wird’s wohl mehr als reichen.“ Liebe Männer: Nein, tut es nicht. Ich brauche nun keine Riesen-Dongs aber gegen Mini-Cornichons kann auch die beste Technik nichts helfen. Aber um euch zu beruhigen: Da ist jede Frau anders und ich kenne auch welche, denen ist ein eher weniger bestückter Mann deutlich lieber. Aber neben der Größe hört man auch immer wieder Sprüche wie „Ich werd's dir so richtig besorgen“, „Ich zeig dir, wo der Hammer hängt“ und andere Euphemismen dafür, dass man so gut durchgerödelt würde, dass einem Hören und Sehen verginge. Diese Egonummer zieht sich dann auch im Bett so fort. Der Mann ist verbissen darin, dass die Frau doch besonders viel Spaß hat. Nicht selten verbeißt er sich dann im wahrsten Sinne des Wortes... Da muss man manchmal schon mit Schnorchel und Sauerstoffflasche nachkommen, um den Taucher aus der gefluteten Höhle zu retten, nur um dann die traurige Erkenntnis zu übermitteln, dass er diesmal keine Schätze bergen konnte. Kein Orgasmus. Nach all der Arbeit. Nach der perfekten, glorreichen Technik, die bei „all den Bitches“ schon funktioniert hat! Denn es ist oft so, dass die Männer ohne den weiblichen Höhepunkt in ein tiefes Loch fallen.

Versteht mich nicht falsch, es gibt natürlich auch genug Kerle, die nur ihren eigenen Orgasmus im Blick haben, und sie darüber hinaus nicht viel mehr interessiert. Aber in dieser Rubrik möchte ich mich nicht mit Arschlöchern beschäftigen. Dann würd' ich ja gar nicht mehr aus dem Schreiben rauskommen.

Dieses Phänomen des Orgasmus-Zwangs hatte ich übrigens bisher bei allen meinen Kerlen so weit (okay.. so viele waren das nun auch nicht...). Und ich finde es immer wieder erstaunlich, dass das männliche Ego so lose an etwas geknüpft ist, dass sie gar nicht selber betrifft. Denn so, wie ich das von meinen Freundinnen bisher mitbekommen habe, ist ein Orgasmus beim Sex dann doch eher die Ausnahme. Und die wichtigste Erkenntnis dabei ist: Er ist absolut optional. Die meisten Frauen schlafen nicht mit (ihren) Männern mit dem Ziel, dass sie einen Orgasmus bekommen. Es geht viel eher um die Berührungen an sich, die Leidenschaft und die Intimität. Das bedeutet aber nun nicht, dass Männer aufhören müssen sich Mühe zu geben. Denn eigentlich finden die meisten Frauen das sicher ganz gut, dass der Mann so bemüht ist und sich für die Zeit voll und ganz auf die Frau konzentriert. Er muss aber auch wissen, wann Schluss ist und man aufhören muss, bevor alles wund wird.

Aber es wäre zu einfach zu behaupten, dass das bei allen Frauen so ist. Es gibt nämlich genau so Frauen, die extrem viel Wert auf den Orgasmus legen und dann ein so schlechtes Gewissen schaffen, dass der Mann neben dem Egoknick, dass er keinen Orgasmus bei seiner Frau erreichen konnte, auch noch in gewissem Grad eine Demütigung stattfindet. Der Leistungsdruck, der entsteht, verstärkt die Verbissenheit, die der Mann schon von Natur aus besitzt und die, wenn wir mal ehrlich sind, in vielen Fällen dann doch eher kontraproduktiv wird. Natürlich verallgemeinere ich hier nur, jeder Mensch ist verschieden und hat andere Bedürfnisse und Beweggründe, warum er handelt, wie er es tut. Allerdings empfinde ich persönlich die Fixierung auf den Orgasmus (egal ob vom Mann aus oder von der Frau selber), eher für etwas oberflächlich. Meiner Meinung nach wälzen Frauen, die zu sehr auf einen Orgasmus beim Sex beharren, die Verantwortung für eben diesen auf ihren Partner ab, sodass sie sie nicht selber tragen müssen. Orgasmen mit dem Partner zu bekommen ist nämlich eigentlich gar nicht so schwer. Wenn man davon ausgeht, dass alle körperlichen Voraussetzungen vorhanden sind (denn an manchen Tagen kann man machen was man will, es dauert entweder ewig oder man schafft es irgendwie nicht über einen Punkt hinaus), ist das wichtigste eigentlich die Kommunikation zwischen beiden Partnern. Man muss offen sein und dem Partner sagen können, was einem gefällt, was man gerade braucht und wo man manchmal weitermachen sollte und wo eben nicht. Mir persönlich fiel das dank meiner angeborenen Prüderie immer etwas schwer. Aber ich lege selber auch wenig Wert auf einen Orgasmus beim Sex, denn mal ehrlich, wenn es mir um den reinen Orgasmus geht, dann kann ich das immer noch am besten selber machen. Und ich denke genau hier liegt auch die Krux in dem Leistungsdruck, der von manchen Frauen erzeugt wird. Ich gehe nämlich von der Annahme aus, dass die Frauen, die sehr darauf bestehen, um eben ihre Verantwortung abgeben zu können, vermutlich nicht selber wissen, wie ihr Körper eigentlich funktioniert. Denn wenn, dann könnten sie entweder im Fall der Fälle selbst für ihre Orgasmen sorgen oder eben ihrem Partner erklären, was sie tun müssen. Wenn also eine Frau nicht erklären kann, was sie braucht und nicht selber für sich sorgen kann, dann gehe ich davon aus, dass sie vermutlich keine eigenen Erfahrungen damit gemacht hat, wie man auch allein Sex haben kann. Dabei ist das eine wirklich wichtige Grundlage, um auch den gemeinsamen Sex gestalten zu können. Natürlich gibt es auch die investigative Möglichkeit, dass man zusammen herausfindet, was einem gefällt, sodass man den ersten Schritt durchaus auslassen kann. Wenn das ganze aber zum Problem wird und Druck erzeugt, sollte man sich genau überlegen, ob es das Wert ist sich nicht die Hände schmutzig machen zu müssen. Denn ich persönlich halte die Nicht-Masturbation für ein Ergebnis der Klischees, die sich über die Jahre gebildet haben, dass Frauen eben nicht so viel Spaß am Sex haben. Es gibt nämlich gar keinen Grund, dass männliche Masturbation in Ordnung ist und die weibliche eben nicht. Sie sind beide in gleichem Maße natürlich und auch schmutzig. Aber sie ist eine wichtige Maßnahme um sich und seinen Körper besser kennenzulernen und erleichtert im Grunde das intime Zusammensein mit dem Partner. Es ist nämlich nie eine Lösung dem anderen die Verantwortung für das eigene Wohlbefinden zu überlassen.

Ich möchte hiermit also jeden dazu anhalten zu masturbieren und sich selber besser kennenzulernen. Ermutigt eure Männer, dass sie trotzdem noch ganze Männer sind, obwohl kein Orgasmus erreicht wurde und vor allem versucht euch nicht von der Sexverdrossenheit einnehmen zu lassen. Denn wie wir jetzt gelernt haben, gibt es in Trockenphasen immer noch andere Möglichkeiten, um sich Befriedigung zu verschaffen.

Hiermit endet dann auch der Rubbel die Kats für diese Woche. Für's nächste Mal denk ich mir was aus...

LG
Dat Kat

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